Durchs Reintal auf die Zugspitze und über die Knorrhütte nach Ehrwald

Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella

Der höchste Berg Deutschlands, die Zugspitze mit 2962m, ist ein mächtiges Felsmassiv mit einem markanten Profil. Touristisch ist die Zugspitze spätestens seit der neuen Seilbahn, die im Dezember 2017 eröffnet wurde, komplett ausgeschlachtet. Bis zu 580 Personen in der Stunde können so in einer Stunde auf die Zugspitze befördert werden, eine halbe Millionen Besucher pro Jahr. Es geht aber auch anders! Verschiedene Wandertouren führen zu Fuß auf die Zugspitze. Der Aufstieg durch das Höllental und Höllentalangerhütte (2015 erneuert) ist eine beliebte aber auch anspruchsvolle Variante mit Klettersteig. Wer es einsamer und ruhiger möchte geht stattdessen über das romantische Reintal auf die Zugspitze! Die einfachste aber längste Route führt durch das tiefe Reintal und erfordert nur im Gipfelbereich Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Da dieser kurze letzte Abschnitt auch per Seilbahn überwunden werden kann, eignet sich diese Tour dann auch für Familien oder Wanderer, die sich diesen Abschnitt nicht zutrauen.

Über die Partnachklamm zur Reintalangerhütte

Vor wenigen Jahren habe ich die Tour durchs Reintal auf die Zugspitze als meine erste Hüttentour ohne Begleitung auserkoren und mich Mitte Juni auf den Weg gemacht. Bisher war ich immer mit Freunden, in Gruppen oder nur in wenig anspruchsvollem Gelände alleine unterwegs gewesen. Dementsprechend bin ich aufgeregt als ich mich ganz alleine auf den Weg mache. Frühmorgens geht es mit dem Flieger nach München und von dort in den Zug nach Garmisch-Partenkirchen. Dort bringt mich ein Linienbus zum Startpunkt der Wanderung, zur Großen Olympiaschanze. Im Sommer wirkt die Schanze etwas deplatziert, aber die Zivilisation möchte ich eh so schnell wie möglich hinter mir lassen. Es ist schon 14h als ich hier endlich meine Wanderung starten kann. Den ersten Abschnitt habe ich durch meine lange Anreise absichtlich kurz gewählt und so habe ich zum Glück keinen Zeitdruck. Auf einfachem Weg geht es zunächst zur Lenz’n Hütte und dann zum Eingang der Partnachklamm. Schroff ragen die Wände vor mir bis zu 80m hoch und das wilde Wasser schießt durch die 700m lange Schlucht. In den Felsen gesprengte Stollen machen die Klamm einfach zu begehen, Regenausrüstung ist allerdings angebracht, nass wird man hier allemal. Kleiner Tipp: Die Klamm kann sogar im Winter besucht werden und wartet mir einer wunderschönen Eislandschaft auf!

Aktuell gibt es allerdings zu viele Hochwasserschäden und die Schlucht kann nicht begangen werden, hier auf die Partnachalm ausweichen! Aktuellen Stand könnt ihr auf der Seite der Partnachklamm checken.

Schroffe Felswände der Partnachklamm, Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Schroffe Felswände der Partnachklamm
In der Partnachklamm, Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
In der Partnachklamm

 

Nach diesem wilden Einstieg geht es erstmal geruhsam auf einer Forststraße an der Partnach entlang. Die Sonne strahlt vom Himmel und die Partnach leuchtet weiß-türkis zwischen den grünen Bäumen. Je mehr Blicke ich auf die Berge erhasche desto freudiger bin ich. Munter schreite ich die nächsten Kilometer voran, der Weg ist gut ausgeschildert und ich genieße den Tag. Die Partnach wird immer schmaler als ich sie dann auf einer kleinen Holzbrücke erneut überquere. Auf der anderen Seite steht die Bockhütte, dort könnte man auch wunderbar Rast machen und einkehren (keine Übernachtungsmöglichkeiten!).

Partnach, Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Blick zurück auf die Partnachklamm
Partnach und Bergblick, Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Die weiß-türkisene Partnach mit Bergblick
Einfacher Waldweg, Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Einfacher Waldweg
Partnach, Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Über die Partnach
Blick zurück auf die Bockhütte, Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Blick zurück auf die Bockhütte

Mich zieht es weiter, kurz auf der anderen Seite der Partnach entlang, dann biegt der Weg immer schmaler werdend vom Fluss ab und führt jetzt stetig bergauf. Inzwischen checke ich immer wieder die Karte und bin nicht mehr ganz so sicher, wo es langgeht. Ist das hier ein Abzweig oder doch nicht? Die Unsicherheit zum ersten Mal alleine auf Wanderschaft zu sein macht sich breit aber ich genieße es dennoch ganz in meinem eigenen Tempo unterwegs zu sein. In der Partnachklamm war noch viel los aber hier bin ich jetzt auf mich gestellt, die meisten sind wahrscheinlich schon viel früher losgezogen als ich.

Der Weg wird immer anstrengender aber auch spektakulärer. Bald erreiche ich den traumhaften Reintalanger: ein grüner Talboden mit Fichten und Bergahornen, eingerahmt von steilen Bergflanken. Der Himmel hat sich zugezogen aber das grün der Pflanzen leuchtet umso mehr. Ich bin erleichtert, als ich die Reintalanger Hütte auf 1366m Höhe erreiche, es ist relativ spät geworden und ich war unsicher, ob alles so passt wie geplant. Gerade mal 600 Höhenmeter hab ich bis hierher auf 14km zurückgelegt, ein kleines Aufwärmtraining für den anspruchsvolleren Tag morgen.

Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella

Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Über die Partnach zu den Bergen
Aufstieg zur Reintalangerhütte, Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Aufstieg zur Reintalangerhütte
Reintal, Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Im Reintal angekommen
Die Reintalangerhütte, Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Die Reintalangerhütte

Auf der Terrasse frage ich gleich schon mal nach, wo ich denn hinmuss um mich anzumelden. Von den 4 Männern werde ich dann gleich ausgefragt, ob ich tatsächlich ganz alleine unterwegs bin. Ein wenig stolz sage bejahe ich und checke dann erstmal ins Matratzenlager ein. Zum Glück teilen wir uns das Lager nur zu zweit, die Matratzen sind allerhöchstens 70 Zentimeter breit und bei vollem Lager kann man sich hier garantiert nicht bewegen! Ansonsten ist die Hütte aber ganz wunderbar, draußen kann man gemütlich an der Partnach sitzen und das Bergpanorama genießen. Da es kalt geworden ist zieht es mich aber nach drinnen in die gemütliche Stube. Dort ist ordentlich eingeheizt aber auch kein Tisch mehr frei. So werde ich dann zu den vier Männern an ihren Tisch eingeladen. Die Sachsen machen jedes Jahr eine gemeinsame Bergtour und bald quatschen und lachen wir zusammen, essen gemeinsam zu Abend und spielen Karten. Morgen haben wir das gleiche Ziel und dass ich mit ihnen mitkomme ist sowieso keine Frage, sondern wird schon mal festgelegt. Da es laut dem Hüttenwirt doch noch einiges an Schnee geben soll weiter oben bin ich dankbar für diese wunderbare Begegnung.

Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Matratzenlager in der Reintalangerhütte

Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella

Frisch rekrutiert von meinen vier Jungs vor der Reintalangerhütte, Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Frisch rekrutiert von meinen vier Jungs vor der Reintalangerhütte

Von der Reintalangerhütte über die Knorrhütte zur Zugspitze

Am nächsten Morgen ziehen wir dann also zu fünft weiter hinauf Richtung Knorrhütte. Zum Aufwärmen geht es ein kurzes Stück gemütlich bis in den Talschluss hinein, dann zeigen die über uns steil heraufragenden Berge schon an, wie anstrengend es werden wird! 1600 Höhenmeter warten auf uns, Schritt für Schritt geht es in Serpentinen hinauf. Die Landschaft ist spektakulär, der helle Wettersteinkalk hebt sich wunderschön von den Juni-grünen Pflanzen ab. Ich muss mich ordentlich anstrengen um mit den vier Jungs Schritt zu halten, bergauf ist einfach nicht meine Stärke. Gute 3km und 690 Höhenmeter weiter sind wir an der Knorrhütte auf 2052m Höhe angekommen. Wir lassen unsere Übernachtungssachen in der Hütte und wandern weiter, heute soll es noch bis zur Zugspitze gehen und wieder zurück.

Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Was für ein gigantischer Ausblick am Morgen!
Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Der Talschluß, gleich wird es steil!

Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella

Felsige Abschnitte, Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Felsige Abschnitte
Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Es ist warm und anstrengend aber es lohnt sich!
Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour FjellaDurchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Kleine Menschen in der Weite der Natur
Knorrhütte in Sicht!, Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Knorrhütte in Sicht!

Wir verlassen jetzt die letzten grünen Flecken und wandern auf Felsen und durch Schneefelder immer weiter hinauf. Die Luft wird gefühlt für mich immer dünner und ich schnaufe vor mich hin, immer weiter hinauf durch die inzwischen hochalpine Landschaft. Der Gipfel und die Liftanlagen und Hütten kommen in Sicht. Mit der Einsamkeit und Urigkeit ist es langsam vorbei. Der Gipfel hüllt sich leider immer wieder in Wolken und die Schneemassen sind jetzt Mitte Juni noch überwältigend viel.

Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella

Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Noch herrscht Freude über den vielen Schnee
Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Stapfen durch den Schnee

Ich habe keine Grödel dabei und keine Stöcke aufgrund meines Fluges mit nur Handgepäck. Meine Erfahrungen im Schneewandern sind quasi gleich Null und als wir am Sonnalpin ankommen ist die Entscheidung gefallen. Ich möchte meiner Begleitung nicht zur Last fallen und unnötige Verantwortung aufdrücken und entscheide mich daher schweren Herzens für die Auffahrt zur Zugspitze mit der Gondel. Drei der Jungs machen sich zu Fuß auf den Weg und mit dem Vierten, der ebenfalls keine Grödel hat dafür ein angeschlagenes Knie fahren wir also gemütlich mit der Bahn hinauf. Der Trubel hier oben ist dann unerwartet groß, von der anderen Bergseite fahren so einige mit der Gondel hinauf während hier bereits schwer an der (im Dezember 2017 eröffneten) neuen Gondel gearbeitet wurde. Wir erspähen die Jungs, die mit Ach und Krach durch den Schnee aufsteigen können und stoßen dann oben im Münchner Haus gemeinsam auf unseren Gipfel an! Der höchste Berg Deutschlands auf 2962m ist unser!

Aussichtsplattform Zugspitze, Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Unterhalb des Gipfels auf der Aussichtsplattform
Schneebedeckter Aufstieg zum Gipfel, Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Schneebedeckter Aufstieg zum Gipfel

Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella

Toureninfo zum Aufstieg vom Sonn-Alpin: Beim Sonn-Alpin-Haus geht der Weg in ein steiles Geröllfeld über. Auf felsigen Untergrund geht es dann einen drahtseilgesicherten Weg bergauf bis zum Wettersteingrat. Am Grat entlang geht es dann bis zum Münchner Haus (2.964 m). Über die Aussichtsplattform gelangt man dann zu dem kurzen Klettersteig und den Gipfel (2.962 m).

Runter geht es für mich auch mit der Gondel und dann beginnt der heutige Spaß! Die Schneefelder haben die perfekte Hangneigung um darauf einfach mit der Regenhose sitzend runter zu gleiten. Ich lache und lache und freue mich über diesen tollen Tag! Am Nachmittag sind wir zurück in der Knorrhütte und es gibt noch so einige neue Kartenspiele, die ich heute Abend in geselliger Runde lernen werde.

Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
So viel Spaß!!!
Abwärts durch den Schnee zur Knorrhütte, Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Abwärts durch den Schnee zur Knorrhütte
Blick von der KnorrhütteDurchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Blick von der Knorrhütte
Meine vier Jungs und ich vor der Knorrhütte, Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Meine vier Jungs und ich vor der Knorrhütte

 

Von der Knorrhütte übers Gatterl nach Ehrwald

Am nächsten Tag geht es zunächst wieder zusammen los. Wir queren diesmal die Hänge Richtung Gatterl. Über Geröll und Felsen wandern wir zu grandiosen Aussichtspunkten. Unter uns glitzert das Reintal und die Freiheit fühlt sich grenzenlos an. Es ist sonnig und heiß heute, der Weg macht unglaublich Spaß trotz der Anstrengung. Am Gatterl bin ich überrascht, es ist tatsächlich ein Gatterl, ein Maschendrahtzaun mit einer Tür, auf der einen Seite ist Deutschland und auf der anderen Österreich.

Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Auf dem Weg zum Gatterl
Auf dem Weg zum Gatterl, Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Auf dem Weg zum Gatterl

Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella

Blick zurück auf die Zugspitze, Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Blick zurück auf die Zugspitze
Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Unendliche Weite
Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Yay! Was für eine tolle Hüttentour!
Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Am Gatterl

Der anstrengendste Teil des Tages ist hier für mich geschafft. Ich verabschiede mich von den vier Jungs, die ihre Tour anders geplant haben und weiter durch die Berge ziehen. Für mich geht es jetzt abwärts nach Ehrwald. Der Weg ist gut markiert und schon bald ist die nächste Hütte und Gondelstation in Sicht. Der Weg wird ganz einfach zu laufen und schnell bin ich bereits an der Ehrwalder Alm und der Gondelstation der Ehrwalder Almbahn angekommen. Ein kurzer Blick auf die Uhr lässt mich dann noch einmal die schnellere und bequemere Variante wählen, den Abstieg in der Gondel. Unten angekommen geht es zum Bahnhof und dann mit der Bahn zurück nach Garmisch-Partenkirchen.

 Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Dorthin geht es nach Ehrwald
 Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Die Jungs ziehen weiter auf Hüttentour durch die Berge

 Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella

Auf dem Weg zur Ehrwalder Alm, Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Auf dem Weg zur Ehrwalder Alm
Tiroler Grauvieh, Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Tiroler Grauvieh, was für eine wunderschöne Rasse!
Ehrwalder Almbahn, Durchs Reintal auf die Zugspitze Hüttentour Fjella
Mit der Gondel gemütlich abwärts

 

Informationen und Tipps

 

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