Inspirierende Abenteurerin: Nicole Baudrexl

Fjella OutdoorfrauenPower Nicole Baudrexl Ladiestouren
Nicole Baudrexl liebt die Berge und alle Arten des Bergsports. Zu Fuß, auf Skiern oder im Gleitschirm ist sie gerne und viel draußen unterwegs. Beruflich ist sie genauso vielseitig: sie arbeitet als Gesundheits- und Krankenpflegerin sowie in einem Bergsportladen. 2018 hat sie außerdem eine Ausbildung zur Tiroler Bergwanderführerin abgeschlossen und sich als Ziel gesetzt, ihre Bergleidenschaft anderen Frauen näher zu bringen und sie zu ermutigen, selbstsicherer in den Bergen unterwegs zu sein. Auf ihren Ladiestouren sind die Mädels ganz unter sich, ohne Leistungsdruck aber mit ganz viel Spaß und Genuß! Über Outdoorfrauenpower hat Nicole auf ihren Touren daher viel gelernt und teilt ihre Tipps im Interview.

Wieso hast du neben deinem Beruf eine Ausbildung zur Bergwanderführerin gemacht?

Ich bin selber sehr gerne draußen unterwegs und zudem freut es mich, wenn ich jemandem einen Ort/Berg/Sportart zeigen kann, die derjenige sonst nicht erlebt hätte oder sich nicht getraut hätte, es auszuprobieren oder sich anzuschauen. Für mich bedeutet es außerdem einen schönen Ausgleich zur Arbeit im Krankenhaus.

Wie lief deine Ausbildung zur Bergwanderführerin ab? Was ist die Frauenquote?

Die Ausbildung zur Tiroler Bergwanderführerin (es gibt verschiedene Wanderführer) findet in drei Etappen statt. Ein Herbst-, ein Winter- und ein Sommer-Teil. Du lernst verschiedenes zu den Themen Erste Hilfe und Bergrettung, Orientierung, Wetterkunde, Tourismuskunde (in Tirol) und Führungstechnik. Alle Themen werden theoretisch wie praktisch behandelt und werden auch geprüft. Die Frauenquote betrug in unserem Kurs ca. 30 Prozent.

Fjella OutdoorfrauenPower Nicole Baudrexl Ladiestouren

Warum hast du dich entschieden, nur Touren für Frauen anzubieten?

Auf Touren mit Mädels bzw. Frauen habe ich bisher immer eine ganz eigene Stimmung erlebt – mit Zickenkrieg hat das übrigens nichts zu tun! 🙂 Im Gegenteil! Die Gesprächsthemen ergeben sich ganz natürlich und sind sehr offen, der Umgang mit Angst ist sehr ehrlich und der Leistungsgedanke steht auf keinen Fall im Vordergrund. Bisher war es meist sehr harmonisch und das gefällt mir.

Außerdem trauen sich viele Mädels meiner Meinung nach zu wenig zu. Ich bin zwar kein speziell ausgebildeter Couch oder Mentaltrainer, aber es ist mir schon ein Anliegen, Teilnehmerinnen den Rücken zu stärken, wenn ich das Gefühl habe, dass sie ihr Licht zu unrecht unter den Scheffel stellen. Das ist der eine Grund. Der andere ist, dass du als Frau in gemischten Gruppen meistens deutlich in der Unterzahl bist. So ist zumindest meine Erfahrung. Was keine schlechte ist! Aber reine Mädels-Gruppen, die gab es bisher kaum. Diese Lücke möchte ich füllen.

 

Was sind die größten Ängste von Frauen beim Bergwandern? Was können sie dagegen tun?

Die größte Angst ist, nicht mithalten zu können. Dass der Leistungsgedanke im Vordergrund stehen könnte.

So zumindest ist meine Erfahrung mit den Teilnehmerinnen. Dass sie ausgelacht oder nicht ernst genommen werden könnten, wenn sie Ängste oder Bedenken äußern, ist ein weiterer Aspekt, den ich erlebe. Entscheidungen von Frauen werden z.B. oft durch Intuition beeinflusst, die meistens nur schlecht erklärt werden kann und deshalb nicht immer ernst genommen und belächelt wird.

Es gibt in einer älteren Ausgabe der bergundsteigen Zeitschrift einen tollen Artikel zur Analyse von Unfällen am Berg und die Rolle des Geschlechts dabei.

Das führt uns zur zweiten Frage: Was können wir gegen unsere Ängste tun? Zum einen natürlich Training, um den Anforderungen, denen wir uns stellen möchten, auch gewachsen zu sein (physisch wie psychisch). Zum anderen aber sicher auch, mehr an sich selbst zu glauben.

Lass dir Feedback geben von Leuten, die du schätzt und mach dir dein eigenes Bild über dich und deine Fähigkeiten und steh dazu! Leichter gesagt, als getan, ich weiß. Aber anders geht’s glaub ich nicht. 😉 Oder probier‘ dich in einem etwas geschützten Rahmen aus, mit Hilfestellung, wenn nötig. Wie in einer gebuchten Tour zum Beispiel.

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Was macht dir am meisten Spaß, wenn du eine Gruppe führst? Gibt es auch schwierige Situationen?

Am allermeisten Spaß macht es mir, wenn ich merke, dass sich die Teilnehmerinnen gut verstehen, eine Gruppe unterwegs ist, die Freude an dem hat, was sie tut und sich deren Erwartungen erfüllen.

Das schönste Gefühl ist, wenn Momente entstehen, in denen du das Glitzern in den Augen einer Teilnehmerin siehst.

Das ist zwar eine recht abgedroschene Antwort, weil wahrscheinlich so ziemlich alle Berg(wander)führer ähnliches beschreiben, aber so ist es einfach. Der Moment, wenn dir eine Teilnehmerin sagt, dass für sie diese Tour/Aussicht/Stimmung der Wahnsinn ist und sie ohne dich nicht hier wäre und sich bedanken möchte – der ist unbezahlbar. Aber genauso freut es mich, wenn sich Mädels auf meinen Touren kennenlernen und mir dann Fotos schicken, wie sie zusammen eigenständig unterwegs sind! Das pusht mich und gibt mir ein gutes Gefühl.

Klar, schwierige Situationen können trotz bester Vorbereitung entstehen. Bisher hatte ich aber Gott sei Dank nur eine, bei der eine Teilnehmerin die Tagesetappe deutlich unterschätzt hatte und an ihre Leistungsgrenze kam. Aber mit viel gutem Zureden, Verteilung des Rucksackinhalts, guter Stimmung in der Gruppe und anderer Führungsmaßnahmen, die du in der Ausbildung an die Hand bekommst, haben wir‘s gemeistert bekommen.

Hast du (weibliche) Vorbilder, die dich inspirieren?

Hm, nicht so richtig. Ich kenne keine Frau, die das gleiche Business betreibt wie ich und mich somit beruflich inspirieren könnte. Privat gefällt mir, wie z.B. Marlies und Andi von Hochzwei.media ihrer Leidenschaft nachgehen und alle Interessierten mit Bildergeschichten daran teilhaben lassen. Überhaupt sind es Menschen, die ihr Leben mit Leidenschaft leben (die bergunabhängig sein kann), die mich inspirieren. Da gibt es Gott sei Dank einige in meinem Bekannten- und Freundeskreis, für die ich sehr dankbar bin.

 

Was ist dein liebster Bergsport?

Den gibt es für mich nicht. Ich bin völlig flexibel, was das Wetter und die Jahreszeit anbelangt. Am allerliebsten mag ich einen Kombinations-Urlaub, wie wir ihn schon öfter gemacht haben: Im Dezember oder Januar an die Côte d`Azur fahren, denn dort hab ich um diese Jahreszeit alles, was ich gerne mag. Schnee auf den hohen Bergen (über 2000m), keinen Schnee auf den niedrigeren, du kannst also wandern, bergsteigen, klettern (es gibt tolle Klettergebiete dort!), Gleitschirmfliegen (direkt am Meer!), einfach nur spazieren gehen oder am Meer sitzen (im T-Shirt). Und wenn ich heimkomme, ist in der Regel so viel Schnee, dass die ersten Skitouren möglich sind. 🙂 Auf eine Sportart kann ich mich da nicht festlegen.

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In welcher Bergregion bist du am liebsten unterwegs? Hast du einen Tourentipp für uns?

Das fiese an Tourentipps ist ja meistens, dass du die Leute (unter anderem) wg. der Einsamkeit dorthin schickst und es dann genau deshalb dort nicht mehr einsam ist. 🙂

Aber vielleicht zwei Ecken, die ich durch das Führen und Auskundschaften für mich selber erst entdeckt habe: Die Radstädter Tauern im Lungau und das Radurscheltal im hintersten, südlichsten Ötztal sind traumhaft! Wobei es natürlich auch immer darauf ankommt, was man sucht. Lieber bergsteigen, lieber wandern oder klettern… Mein Tourenangebot ist eigentlich ein guter Hinweis. Ich biete keine Touren in Regionen an, wo es mir nicht gefällt. 🙂

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Vielen herzlichen Dank für das Interview und die Bilder! 

Mehr zu Nicole:

 

Mehr Inspiration zu unserem Thema Frauen in den Bergen findest du auf unserer OutdoorFrauenPower Seite.

 

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