Das höchste Gebirge Portugals: Wandern in der Serra da Estrela

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Nur drei Autostunden von Lissabon entfernt liegt das höchste Gebirge von Kontinental-Portugal. In der ausgesprochen schönen Serra da Estrela, dem ‚Stern-Gebirge‘, gibt es hunderte von Kilometern an meist einsamen Wanderwegen zu entdecken. Den Deutschen scheint dieses Gebiet noch recht unbekannt zu sein, bei meiner Vorbereitung habe ich kaum Informationen zu den Wandertouren in dieser Gegend auf deutschen Portalen entdeckt. Dafür wartet es mit vielen Highlights und einer einzigartigen Landschaft auf uns, die man wandernd noch so gut wie für sich alleine hat!

Unser Basislager in der Serra da Estrela war das schöne Hotel Casa Mariolas im Bergdorf Manteigas, inhabergeführt von echten Bergsteigern, die selbst in den Bergen klettern und wandern gehen wann immer sie Zeit haben und euch noch einige Tipps geben können.

Eindrucksvolle Rundwanderung: die Carvão-Route

Laut den einheimischen Bergsteigern ist die Carvão-Route die schönste Tour in der Serra da Estrella, die Wanderung über die Hochebene der Serra da Estrella ist beeindruckend und der Abstieg anspruchsvoll.  Die Höhenmeter haben es in sich, die Länge von über 20km ist auch nicht ohne, dafür gibt es wahnsinnig schöne Natur in aller Einsamkeit. Man trifft auf dieser Wanderung so gut wie nie jemand anderen – egal zu welcher Jahreszeit man unterwegs ist!

Los geht es in Manteigas, direkt von meinem Hotel aus. Der Einstieg ist schnell gefunden, nur die rosa und weiß blühenden Bäume muss ich noch bewundern, bevor ich mich an den Aufstieg mache. Die Dorfbewohner müssen hier sowas von fit sein, das Dorf erstreckt sich über sicherlich 200 Höhenmetern mit sehr steilen Straßen. Aber da es eben doch nur ein kleines Dorf ist, habe ich bald die Kopfsteinpflaster hinter mir und laufe durch den Wald. Ein Forstweg bringt mich in Serpentinen den Berg rauf, gar nicht so schlimm und anstrengend wie befürchtet! Nach einer Stunde komme ich an einen tollen Aussichtspunkt, Manteigas liegt tief unter mir aber ich bin noch lange nicht ganz oben angekommen.

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Auf geht’s durch die Gassen Manteigas
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Auf Serpentinen durch den Wald, immer aufwärts

Weiter geht es also, ein paar Mal quere ich die Asphaltstraße auf der aber kein einziges Auto zu sehen ist. Ein schmaler Pfad führt mich dann durch einen wunderschönen Fichtenwald zu der Casa da Fraga – einem Haus, das in die hohen Granitfelsen integriert wurden. 1884 stand hier noch ein richtiges Haus mit Küche, Kamin, Schlafzimmer und wurde damals als Sanatorium für an Lungenkrankheiten erkrankten Lissabonern genutzt. Heute ist nur noch ein Bruchteil erhalten, direkt am Wegesrand der Carvão-Route.

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Kurz darauf zweigt ein Pfad zu einem Aussichtspunkt, dem Miradouro Penhas Douradas, von der Carvão-Route ab. Nur einen knappen Kilometer Umweg nehme ich natürlich gerne in Kauf und werde mit einer großartigen Aussicht über Manteigas und die Berge der Serra da Estrella belohnt. Die (Ferien-)häuser auf dem Weg, die Penhas Douradas auf knapp 1500m Höhe, sind wunderschön, auch wenn momentan keines bewohnt scheint.

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Dort oben ist der Aussichtspunkt
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Blick auf Manteigas
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Glücklich!
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Ein tolles Häuschen!

Ich folge für kurze Zeit der Asphaltstraße, die bald in einen Sandweg übergeht und bin nun auf der Hochebene angekommen. Ich bin bisher noch niemandem begegnet und so wird es auch bleiben. Die Hochebene ist unglaublich schön, Granitfelsen in allen Formen und Größen fordern mich alle paar Meter dazu auf, noch mehr Fotos zu machen, die Heide und der Wachholder bieten einen tollen Farbkontrast. Dem Weg ist wunderbar zu folgen und macht es einfach, diese großartige Landschaft während des Wanderns zu bewundern. In einem leichten Auf und Ab geht es voran, Sandpiste, Felsen, schmale Pfade wechseln sich ab, bis ich am höchsten Punkt der Carvao-Route angekommen bin. Mein Magen knurrt bereits und hier auf dem Curral do Martins auf 1721m ist der perfekte Picknickplatz.

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Dort oben ist der Curral do Martins
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Mittagspause!

Nach einer Stärkung geht es weiter, jetzt scheine ich auf die schattigere, kühlere Seite des Berges zu wechseln denn auf einmal muss ich immer wieder Altschneefelder queren. Eigentlich kein Problem, da es hier nicht steil ist, aber so richtig Lust auf nasse Füße habe ich nicht. Unter den Schneefeldern und in der Heide versteckt gibt es auch immer wieder kleine Bäche, so dass ich die nassen Füße doch nicht ganz umgehen kann. Spaß macht es irgendwie dann doch, im Mai durch Schnee in Portugal – wer hätte das gedacht!

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Kurze Zeit später erreiche ich die Nave da Mestra, hier wurde früher Kohlebergbau betrieben, daher kommt auch der Name Carvão-Route, die Kohle-Route. Ein Kuriosum ist hier das Haus des Richters Dr. Matos. Schon in der Antike wurden die großen Granitfelsen (Nave da Mestra, Schiff des Meisters wegen ihrer Form genannt) als Zufluchtsort für Hirten und ihre Herden genutzt. Dr. Matos hat wohl 1910 ein Sommerferienhaus in diese Granitblöcke bauen lassen, mit Maultieren wurde das erforderliche Material von Manteigas hierhin befördert. Ein kleines Abenteuer ist der von den Hotelinhabern empfohlene sehr enge Abstieg direkt durch die großen Felsblöcke. Dort finde ich unter dem Schnee noch Stufen von damals und komme dann direkt über dem Haus hinaus.

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Durch die enge Spalte in den Felsen bin ich gekommen

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Nach einer ausgiebigen Besichtigung folge ich dem Wanderweg durch die Vegetation. Ich liebe diese Farben und entdecke noch immer neue Felsformationen wie die küssenden Giganten (das ist ausnahmsweise ein selbst ausgedachter Name!). Dann führt der Weg durch hohes Gestrüpp und ich bin dankbar, dass sich jemand dieses Weges angenommen hat und eine Schneise für die Wanderer geschlagen hat. So komme ich schnell vorwärts, dann wird es aber steil. Der anspruchvollste Teil folgt, sehr steil geht es jetzt in Serpentinen den Hang hinunter, es ist recht rutschig aber dafür ist die Aussicht unschlagbar.

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Irgendwann ist auch dieser anstrengende Teil geschafft und ich komme zum Forstweg. Auf einmal geht es ganz easy auf dem Forstweg leicht bergab bis nach Manteigas hinein. Schon bin ich wieder

am Hotel angekommen, glücklich über diesen wunderbaren Tag.

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Zurück in Manteigas

Infos: Start und Ende der Carvão-Route ist in Manteigas. Die Tour dauert ca. 7h, es gilt gute 21km und 800 Höhenmeter jeweils zu überwinden (Aufstieg und Abstieg). Nehmt euch genug Wasser mit, im Sommer wird es sehr heiß und es gibt auf der Hochebene kaum Schatten.

Die Route findet ihr hier auf Komoot: https://www.komoot.de/tour/31208788?ref=wtd

 

Wanderung zum Covão dos Conchos

Auf Pinterest habe ich einen interessanten See in der Serra da Estrela gefunden, so beeindruckend, dass ich es gleich auf die Bucket List für Portugal gesetzt habe. Unweit des höchsten Punktes der Serra da Estrela, den Torres, liegt einer der vielen Stauseen des Gebirges, der Lagoa Comprida auf 1600m Höhe. Die meisten Touristen halten hier nur, um kurz den Stausee anzuschauen und vielleicht noch den berühmten Käse der Serra da Estrella in dem kleinen Laden zu kaufen. Wir aber stellen unser Auto auf dem Parkplatz ab und machen uns auf eine kleine Wanderung von 5km, unser Ziel ist nämlich ein ganz anderer Stausee.

Am Stausee Lagoa Comprida

Auf einem breiten Weg geht es entlang des Lagoa Compridas ganz leicht bergan. Der breite Weg wird schmaler und schöner, die Heide und der Wachholder bieten einen tollen Kontrast zu den Granitfelsen in all ihren Größen und Formen. Am Ende des Sees blickt man von einer leichten Anhöhe auf den Lagoa Comprida und merkt erst jetzt, wie groß dieser See ist – von der anderen Seite wirkte er viel kleiner.

Auf dem schönen Pfad geht es weiter, erste kleine Schneefeld tauchen auf, eine absolute Seltenheit im Mai. An der ersten Abzweigung heute weist mich mein GPS ganz klar nach links, auch wenn ich zunächst gedacht habe, es handelt sich um einen kleinen Bach nicht um einen Wanderweg. Die Schneeschmelze hat hier unter der leuchtenden Sonne eindeutig zugeschlagen.

Bach oder Weg???

Noch einige Schneefelder weiter stehen wir dann auf einem Hügel vor unserem Ziel: dem Covão dos Conchos. Ein weiterer Stausee, viel kleiner als der Lagoa Compridas, dafür mit einer ganz besonderen Eigenheit, die ich auf den Fotos gesehen habe: ein kleiner „Krater“ befindet sich inmitten des Sees und scheint das Wasser in sich aufzusaugen. Aber von dem Hügel sehen wir davon erstmal – nichts! Nach kurzem Überlegen wandern wir einfach weiter entlang des Sees, bis wir am anderen Ende dann doch den Krater entdecken! Irgendwie gruselig, ich möchte mir nicht vorstellen, was passiert, wenn man da reingesogen wird. Aber irgendwie auch wahnsinnig faszinierend wie dort das Wasser kontinuierlich hinabstürzt. Und auch wenn dieser Krater mit angeschlossenem Tunnelsystem von Menschhand zum Wasseraustausch zwischen zwei Stauseen gebaut wurde – es ist ein mehr als interessantes, superschönes Wunder.


Nach einer ausgiebigen Fotosession geht es wieder zurück, weitere 5km durch die schönste Heide- und Felsenlandschaft der Serra da Estrela. Ein wirklicher toller kleiner Ausflug zu einem ganz besonderen Ort!

 

Falls ihr auch dorthin möchtet findet ihr die Tour zum Covao dos Conchos auf Komoot.

 

Der höchste Berg Kontinental-Portugals: Auf dem Torre

Der 1993m hohe Torre, der höchste Gipfel Kontinental-Portugals ist dabei etwas unschön bebaut, aber er bietet das einzige Skigebiet Portugals! Im Mai liegt hier normalerweise kein Schnee mehr, dank des schlechten, regenreichen Winters ist dieser Mai aber eine absolute Ausnahme und so surren die Sessellifte auch Anfang Mai noch und die Snowboarder vergnügen sich in kurzen Hosen. Nur ein paar Schritte abseits in den Schnee können wir hier doch noch etwas Einsamkeit und einen traumhaften Sonnenuntergang erleben!

Torre Serra da Estrella Portugal Torre Serra da Estrella Portugal Torre Serra da Estrella Portugal Torre Serra da Estrella Portugal

Covão d’Ametade

Auf dem Weg zum Torre gibt es einen sehr idyllisch gelegenen Rastplatz, dem Covão d’Ametade. Die Portugiesen kommen hier mittags und abends zusammen, picknicken auf den Tischen und Bänken oder grillen an den weitläufig angelegten Grillplätzen. Auch im Mai ist man hier nicht alleine unterwegs, aber es lohnt sich hierherzukommen und am Fluß entlang einfach weiter zu wandern. Ein Wanderweg führt rauf ins Gebirge, zur Quelle des Rio Zezere oder gar weiter bis zum bereits erwähnten Coao dos Conchos (eine Tour könntet ihr also auch von hier dorthin starten, es ist allerdings länger). Der Ausblick auf die hohen Berge ist schon nach 10-15 Minuten wandern grandios, außerdem seid ihr dann bereits ganz alleine unterwegs!

Covão d’Ametade, Serra da Estrella, Portugal Covão d’Ametade, Serra da Estrella, Portugal

Außerdem lohnt sich noch ein kleiner Abstecher zum Wasserfall Poco do Inferno, dort kann man auch Canyoning Touren machen, die müsst ihr allerdings vorher buchen!

Poco do Inferno

 

 

 

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