Touristisch oder traumhaft? Q-Circuit im Torres del Paine Nationalpark

3. Highlight im Torres del Paine: Die Torres selbst Der berühmteste Punkt des Q-Circuits: an den Torres del Paine
2. Highlight im Torres del Paine: Grey Gletscher Einfach wow!
Britannico Lookout Mein persönliches Highlight: der Britannico Lookout. Besonders schön im Herbst.
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blank Fußgänger oder Reiter, für jeden seinen Weg

6 Tage Wandern auf dem Q-Circuit

Kennt ihr das? Jahrelang steht es auf eurer Bucket List und ihr habt wunderschöne Bilder gesehen, aber dann steht ihr am Ziel eurer Träume und es fühlt sich eher enttäuschend an? So sah mein Anfang auf dem Q-Circuit im Torres del Paine Nationalpark aus – bis er sich dann doch noch als Traumort entpuppt hat!

Der Torres del Paine ist der wohl bekannteste (und touristischste) Nationalpark in Patagonien mit seinen beeindruckenden Bergen, Gletschern, Seen und seinem Wahrzeichen, den „Torres del Paine“, drei Granittürmen, die in den Himmel ragen. Paine bedeutet in der Sprache der Tehuelche-Indianer himmelsblau, Torres heißt Türme auf Spanisch.

Anreise aus Puerto Natales

Von Puerto Natales aus fahre ich in 2h mit dem Bus in den Nationalpark Torres del Paine zum Eingang des Parkes an der Laguna Armaga. Am Checkpoint heißt es fast 30€ Eintrittsgebühr bezahlen und ein Video über die Parkregeln anschauen. Dann noch einmal bezahlen für einen Shuttle zum Campingplatz ca. 7km entfernt (nein, am Straßenrand laufen möchte ich nicht heute). Der Campingplatz muss natürlich auch bezahlt (und reserviert) werden, obwohl es hier wenigstens noch genug Plätze gibt. Für die meisten anderen Campingplätze war es schwierig und hat Zeit und Nerven gekostet über die 3 verschiedenen Buchungsseiten der drei verschiedenen Campingplatzanbieter überhaupt noch an Plätze zu kommen. Es ist das erste Jahr des Buchungssystems mit dem die Überlastung des Parks geregelt werden soll. Januar und Februar waren komplett ausgebucht. Im März ist es nicht mehr ganz so voll und ich habe es vor 2 Wochen mit etwas Glück noch geschafft meine Plätze auf dem Q-Circuit im Torres del Paine zu buchen.

Ich finde ein geschütztes Plätzchen für mein Zelt und da die Welt so klein ist treffe ich beim Abendessen auf zwei gute Reisebekanntschaften. So wird der Abend gemütlich im Bistro der Las Torres Hütte beendet – bei einem Liter Wein!

Wandertag 1: Vom Campamento Centrale zu den Torres del Paine und zurück. 20km.

Ein Wahnsinnssonnenaufgang weckt mich am nächsten Morgen, die Torres leuchten hinter dem Berg – und ich wünschte ich wäre bereits dort oben. Aber gestern hatte ich zu viel Wein und zu viel Spaß, so dass der Start heute etwas länger dauert. Aber gegen 9h wandere ich mit meinen beiden Reisebekanntschaften los, zunächst gemütlich und flach entlang des Flusses bevor es langsam aber stetig bergauf geht. So viele andere Wanderer! Ich bin so viel Tourismus nicht mehr gewohnt, man kann hier sein Gepäck oder sogar sich selbst von Pferden für absurde Preise hochtragen lassen. Aber die Nachfrage scheint da zu sein, manche sind wohl noch nie gewandert geschweige denn mit Zelt und einige wenige machen wohl auch nie Sport. Es gibt geführte Gruppen, manche haben Träger, die ihre Ausrüstung tragen. Dass es auch in Patagonien Sherpas gibt, hätte ich nicht gedacht. Am Anfang meiner Wander“karriere“ habe ich auch bei solchen Wanderungen mitgemacht. Es ist auch immer noch ein guter Einstieg und sinnvoll gerade anfangs mit Guide unterwegs zu sein, trotzdem fühlt sich hier im Torres del Paine alles nach Touristenfalle an, überall wird Geld gemacht, alles kostet hier.

Nach zwei Stunden kommen wir am Refugio und Campingplatz Chileno an und machen eine kurze Pause, bevor es weiter geht durch einen bunten Herbstwald. Immer weiter geht es hinauf bis wir nach einer weiteren Stunde an der Kreuzung zum kostenlosen Las Torres Campingplatz  sind (wo ich leider keinen Platz mehr bekommen habe). Jetzt kommt der steilste und anstrengendste Teil, letztendlich aber nicht so schlimm da ich ja heute mein Zelt und Equipment im Tal gelassen habe und mit leichtem Gepäck unterwegs bin. Näher und näher kommen wir den Torres und dann sind wir am berühmten See mit Blick auf die drei „himmelsblauen Türme“, die Torres del Paine. Sie sind schön, aber irgendwie fühle ich mich nicht überwältigt und beeindruckt wie sonst. Vielleicht waren die Erwartungen zu hoch, vielleicht liegt es an dem ganzen touristischen Drumherum, ich weiß es nicht.  Wir verbringen eine Stunde dort, genießen den Blick und ruhen uns aus, trotz des Gewusels um uns herum. Dann geht es wieder zurück. Die Aussicht ist wunderschön, das Tal vor uns getaucht in Sonnenlicht. Ich bin sehr müde, eine Mischung aus Kater und nicht genug Schlaf, aber runter geht es trotzdem relativ schnell. Auf dem Campingplatz gibt es ein schnelles Abendessen bevor ich um 20 Uhr in mein Zelt falle.

Wandertag 2: Vom Campamento Centrale zum Campamento Dickson. 31km.

Letzte Nacht hat es lange und viel geregnet, aber als ich nach einer erholsamen Nacht aufstehe, bleiben nur noch Nebel und Wolken. Gegen 8h morgens mache ich mich ganz alleine auf den Weg und begegne in den ersten Stunden niemand.  Nach all den vielen Leuten gestern ein komisches Gefühl, die Einsamkeit wird durch den Nebel noch verstärkt.

Der Weg ist einfach zu finden und zu gehen, bergauf, dann wieder runter zum Río del Paine und nun ganz flach bis ich nach 3h schon den Seron Campingplatz erreiche. Ich mache eine Pause und esse ein Sandwich. Ein paar Wanderer sind noch da, obwohl es bereits 11 Uhr ist und so kann ich mich noch mit einem australischen Pärchen unterhalten. Auf dem Zeltplatz haben letzte Nacht einige Mäuse die Camper wachgehalten.

Aber heute soll es ja noch einiges weiter gehen, daher mache ich mich bald wieder auf. Ein kleiner Anstieg wird wieder belohnt mit tollem Ausblick auf den See und die Berge. Teilweise immer noch versteckt hinter den Wolken, aber der Himmel klart auf. In der Sonne ist es jetzt ziemlich warm und ich genieße die Wanderung. Coiron ist als nächste Wegmarkierung in meiner Karte markiert, es gibt Toiletten und meinen ersten Rangerkontakt. Ich muss mich in einem Buch einschreiben und meine Buchung für den nächsten Campingplatz zeigen. Einige andere Wanderer sitzen erschöpft herum oder behandeln Blasen. Es sind nur noch 9 relativ flache Kilometer bis zu meinem Campingplatz und ich fühle mich fit. Die Kondition, die ich mir in den letzten Monaten aufgebaut habe macht sich wieder bezahlt. Ich kann jetzt sogar in meinem Tshirt wandern, da es so warm ist. Die Aussicht wird immer besser, Gletscher, Berge, Schnee, Flüsse … Traumhaft!

Gegen 16 Uhr erreichte ich den Campingplatz Dickson. Ich baue mein Zelt auf damit es trocknet und genieße eine warme Dusche. Die Sonne kommt heraus und taucht den Zeltplatz in magisches Licht, auf der anderen Seite gibt es Blick auf einen Gletscher, ein wirklich perfekter Ort zum Zelten.

Wandertag 3: Vom Campamento Dickson zum Campamento Los Perros. 11km.

Da ich nicht alle Campingplätze buchen konnte, wie ich wollte, kann ich heute ausschlafen, es gilt nur 11 flache Kilometer zu wandern. Ich bleibe so lange wie möglich in meinem Zelt, lese und versuche zu schlafen. Gegen 10.30 Uhr geht’s los, nach einer Stunde bin ich bereits am ersten Mirador (Aussichtspunkt) des Dickson Gletschers.  Ich bin jetzt schon hungrig, also gibt’s einen kleinen Snack und eine Pause bevor ich wieder in den Wald zurück wandere. Es ist seltsam heute, so wenig Kilometer, aber ich fühle mich ungeduldig und habe nicht so viel Lust aufs wandern, bisher ist der Weg auch nicht so spannend. Aber das Beste kommt ja bekanntlich zum Schluss! Und so geht’s endlich heraus aus dem Wald und eine Moräne hinauf wo mich ein traumhafter Aussichtspunkt erwartet. Am Fuße eine türkisenen Gletschersees, mit Blick auf den Gletscher Los Perros und die Berge. Wow, ich sitze und genieße. Andere machen sich sogar auf und schwimmen eine Runde im eiskalten See zum Eisblock! Die meisten anderen Wanderer sind schon weg als die Wolken komplett verschwinden und der Ausblick perfekt ist. Nach diesem schönen Abschluss sind es nur noch 15 Minuten zum Campingplaz Los Perros, der gut geschützt im Wald liegt. Es ist noch früh, also verbringe ich Zeit mit den anderen Wanderern, essen und lesen.

Wandertag 4: Vom Campamento Los Perros zur Campsite Grey. 22km.

Die Ranger haben alle, die bis zur Grey Campsite wandern möchten dazu verpflichtet, um 7h morgens zu starten – da es angeblich 11h dauert die 22km zu wandern durch den hohen Pass (gerade mal 1200m hoch…). Für mich keine große Sache, aber da ich sowieso früh um 6h bereits wach bin nach einer schlechten Nacht, stehe ich auf under packe in der Dunkelheit. Sonenaufgang ist erst um 8h. Zum Glück regnet es nicht mehr, ich kann Sterne sehen soweit es der Wald zulässt. Es ist relativ schwer auf dem Weg zu bleiben in der Dunkelheit. Es ist auch viel wärmer als gedacht und schon bald schwitze ich auf meinem Weg nach oben. Nach einmal verlaufen und mühevollem zurückfinden auf den Weg (dank anderer Wanderer und deren Stirnlampen) bin ich endlich überhabld der Baumgrenze. Es dämmert, aber bis die Sonne über den Bergen ist dauert es sicherlich noch länger. Der Weg ist jetzt leicht zu finden und der Tag perfekt, kaum Wolken, kein Wind. Ich bin mal wieder ein Glückskind, meistens regnet und stürmt es hier oben.  Stattdessen bewundere ich den Sonnenaufgang und das Bergglühen und bin schon bald am Pass, nach nur 2h wandern. Wow. Damit habe ich nicht gerechnet. Vor mir ist alles weiß, türkis, blau. Der riesige Gletscher Grey breitet sich unter mir im Tal aus. Es ist atemberaubend schön, so ganz anders als alles was ich bisher gesehen habe. Der Gletscher muss kilometerlang sein, ich kann sehen wie er in den Grey See kalbt und sich auf der anderen Seite bis hoch in die Berge zieht. Nach meiner Enttäuschung an den Torres del Paine bin ich nun doch sehr glücklich, den Q-Circuit zu wandern. Hier ist auch kaum jemand unterwegs, der Weg wird auf 80 Personen pro Tag limitiert und die meisten sind noch nicht am Pass.

Nachdem ich ausgiebig den Blick genossen habe und ein Stück Schokolade, dass ich geschenkt bekommen habe, wandere ich weiter auf einem steilen Pfad bergrunter. Schnell geht es wieder in den Wald, schade, ich kann kaum noch was vom Gletscher sehen. Aber kurz nach der (ziemlich ungemütlichen und sehr spartanischen) Campsite Paso kommen dann einige schöne Miradors, Aussichtspunkte. Gleich am ersten mache ich Mittagspause. Es ist erst 11.30h aber ich bin schon am verhungern. Nach einer halben Stunde wandere ich weiter aber nicht allzuweit, denn schon kommt der nächste wunderschöne Ort, an dem ich nochmal Pause machen muss und auch ein kleines Nickerchen. Der Weg ist nun nicht mehr so steil und der Campingplatz Grey schon um 15h erreicht. Die Duschen öffnen erst um 18h, also mache ich eine kurze Wanderung zum See und genieße die Sonne und den Gletscherblick. Was für ein Glück hier zu sein, die Natur und das Leben zu genießen!

Wandertag 5: Vom Camping Grey zum Camping Italiano & Mirador Britanico. 30km.

Die ganze Nacht höre ich den Gletscher knacken, auch heute geht es bereits vor 8h im dunklen nebligen Morgen los. Die erste Stunde führt mich entlang der Laguna Grey mit schöner Aussicht zurück zum Gletscher bevor es durch hügeliges Gelände mit toten Bäumen geht. Vor 10 Jahren hat hier ein großflächiger Waldbrand alles kaputt gemacht. Von Menschenhand verursacht. Traurig. Weiter geht’s durch ein schönes kleines Tal und plötzlich sehe ich bereits die große Paine Grande Lodge.

Ich mache eine kurze Pause, bevor ich um 12 Uhr weitergehe, Richtung Camping Italiano. Der Weg ist wieder einfach, nur leicht auf und ab. Die Wolken verschwinden langsam. Ich fühle mich sehr müde und beschließe, dass ich nur bis zum Campingplatz gehen werde, nicht auch noch die extra 6km rauf bis zum Aussichtspunkt (plus zurück). Aber als ich um 14 Uhr auf dem Campingplatz ankomme, sagt mir der Ranger, ich unbedingt zum Britannico Aussichtspunkt gehen muss. Also schnelles Mittagessen, Zelt aufbauen, Ausrüstung dalassen und mit wenig Gepäck geht’s los. Hoch und runter, über Flüsse, über Wurzeln hochziehen, durch Wald bis zum ersten Aussichtspunkt „Val de Frances“. Beeindrucken. Die Sonne scheint jetzt und fast keine Wolken mehr am Himmel, es ist einfach perfekt! Ich laufe jetzt schneller, da ich merke wie langsam man auf dem Weg vorankommt). Zum Glück wird es bald flacher und weniger anstrengend. Ich kann jetzt die Rückseite des berühmten Las Torres sehen. Die hellen Türme sind beeindruckender von hier, breiter, größer, höher, vor allem im Kontrast zu den bunten Herbstbäumen im Sonnenschein.

Ich gehe und gehe, klettere über Felsbrocken und als ich nicht mehr kann, bin ich auf einmal da! Was für ein Ausblick. Ein riesiges rundes Tal, dreiviertes des Kreises ist umgeben von hoch aufragenden Bergen. Und nur ich und ein anderer Wanderer sind noch hier. Leider kann ich die atemberaubende Schönheit nicht allzu lange genießen, ich bin hungrig, müde und es ist ein langer Weg zurück bevor es Dunkel wird. Der Sonnenuntergang taucht alles in goldenes Licht. Dieser Ort ist wirklich etwas besonderes.

Um 19 Uhr bin ich wieder im Lager, koch schnell mein Abendessen bevor ich erschöpft ins Zelt falle, ein sehr langer Tag!

Wandertag 6: Vom Camping Italiano zur Laguna Armaga und zurück nach Puerto Natales. 18km.

Eine weitere schlechte Nacht, meine aufblasbare Isomatte ist kaputt und so war ich schon wieder sehr früh wach und am wandern vor 8h morgens. Es ist noch dunkel aber der Himmel klar und so komme ich zu noch einem perfekten Sonnenaufgang. Heute sind es nur noch 18km, einfacher Weg mit kaum Höhenunterschied. Ich genieße den frühen Morgen, das Licht und die Stille. Nicht einmal eine halbe Stunde dauert es zum Frances Campingplatz und dann eine weitere Stunde nach Los Cuernos. Weiter geht es, der Pfad ist so einfach, dass meine Füße von selbst gehen während ich Musik höre, die Landschaft und die Sonne genieße. So vergeht die Zeit schnell und schon bin ich am Las Torres Hotel, dem Start- und Endpunkt des Q-Circuit im Torres del Paine. Viele andere Wanderer sind schon da als ich um 12.30 Uhr ankomme. Der Shuttlebus fährt eine Stunde später, ich habe viel Zeit zum Entspannen und kaufe mir etwas Leckeres am Kiosk. Alle sind glücklich über das Wetter und darüber, es geschafft zu haben, freuen sich auf eine Dusche und frische Lebensmittel in Puerto Natales. Nach dem Warten und Sitzen im Bus ist es 16.30 Uhr als ich endlich die Stadt erreiche. Ich habe mich mit dem Q-Circuit im Torres del Paine versöhnt und bin sehr glücklich über die tolle Wanderung!

Für mehr Informationen über aktuelle Preise, das Buchungssystem etc besucht ihr am besten die Seite der  CONAF (Verwaltung der Nationalparks in Chile).

Wart ihr schon mal im Torres del Paine Nationalpark? Oder steht es auf der Bucket List?

3 Comments

  1. Hey, vielen Dank für diesen tollen Bericht. Denkst du, man kann die Wanderung auch alleine machen? Im November füllt sich der Park ja sicherlich so langsam, sodass man doch da auf den Routen eh nicht so ganz alleine unterwegs ist, oder?
    Vielen lieben Dank nochmal und liebe Grüße

    1. Liebe Vera, ich hab die Wanderung auch alleine gemacht und habe trotz Nebensaison sehr viele Menschen kennengelernt. Es ist immer jemand unterwegs! Du wirst dort nicht alleine sein und kannst (wenn du möchtest) auch wunderbar Leute kennenlernen. Aber unbedingt die Zeltplätze reservieren so früh wie möglich! Zumindest vor Corona war das schwierig. Ich wünsche dir eine wundervolle Zeit, Bettina

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