Wanderung über den Ibañeta -Pass auf dem Camino Francés | Pyrenäen | Frankreich/Spanien

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Was ist deine Lieblingstour?

Ich bin kein Wiederholungstäter, wenn wir meine regelmäßigen Spaziergänge um die Alster mal ausblenden. Ich laufe gerne weit, Tage und Wochen um genau zu sein, und dann in der Regel jede Fernwanderungsstrecke genau einmal. Von meinen bisherigen Wanderungen war der Camino Francés sicher die (bisherige) Lieblingstour, denn es war meine erste und sicher auch bewegendste Wanderung. Diesen Weg an dieser Stelle kompakt zusammenzufassen, fällt mir schwer. Außerdem assoziiere ich Fjella klar mit Bergen, so dass ich gern von irgendetwas mit Steigung erzählen will. Da kommt die Tour über den Ibañeta-Pass in den Pyrenäen wie gerufen, denn sie passt gleich doppelt: Sie war mit heftiger Steigung verbunden und sie ist Bestandteil der ersten Etappe des Camino Francés von Saint-Jean-Pierre-de-Port nach Santiago de Compostela, also quasi die Einsteiger-Etappe, die bei mir aber bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

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Welche Story verbindet dich mit dem Ibañeta-Pass?

Vor der Besteigung dieses Passes ging mir ordentlich die Düse. Ich stand am Anfang eines großen Abenteuers und fragte mich sowieso schon, wie um alles in der Welt ich 800 km zu Fuß laufen sollte. Dass dann aber auch noch ausgerechnet die erste Etappe gleich eine der schwierigsten (und längsten) des gesamten Weges war, fand ich ziemlich unnötig. Die Etappe ist 27 km lang und geht erst auf 22 km 1.400 Höhenmeter hoch, um im Anschluss wieder auf 700 Höhenmeter runter zu gehen.

Ab Kilometer 7 gibt es absolut nichts mehr: Keine Ortschaft, keine Einkehrmöglichkeit, keine Zivilisation, kein gar nichts. Nur die ächzenden, schwer bepackten Pilger (am ersten Tag hat man ja noch ALLES im Rucksack) lassen Rückschlüsse auf die Menschheit zu.

Im letzten Örtchen vor dem großen Nichts, Orisson, bei Kilometer 7,7 war kein Bett mehr frei, als ich 3 Wochen zuvor dort angefragt hatte. Ich wurde nur freundlich ausgelacht, man sei hier bereits 3 Monate im Voraus ausgebucht. So war also schon zuhause klar, dass ich die ganze Etappe einfach packen musste.

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In der Gruppe, die sich erst am Vortag bei der gemeinsamen Anreise zusammengefunden hatte, machten wir uns um 6:30 Uhr Ende April 2016 in Saint Jean auf den Weg, jeder mit seinen ganz persönlichen Befürchtungen, alle mit einer gehörigen Portion Respekt. Schon nach wenigen Stunden hatte sich das Trüppchen zerschlagen. Meine erste Lektion: lauf dein eigenes Tempo. Einige waren mir viel zu langsam, andere zu schnell und so lief ich kurz entschlossen allein. Ich erinnere mich, dass ich zwar über die teils steilen Anstiege stöhnte, aber mich die „Buen Camino“-Rufe, die mir von allen Seiten aus den Mündern der vielen anderen Mitpilger bei jeder Überholung meiner- oder ihrerseits entgegenflogen, halfen, weiter zu gehen und dabei auch noch Spaß zu haben.

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Wir hatten Traumwetter und die Blicke auf die Pyrenäen sind mit das Schönste, was ich je gesehen habe. Ich erinnere mich an viele Pausen, nackte Füße im Gras, weidende Pferde und dazwischen die Karawane aus Menschen, die sich ihren Weg bahnt und sich quält, an Gespräche mit Brasilianern, Süd-Afrikanern und Niederländern, an Erschöpfung, Kampfgeist und an das Gefühl und den Geruch, als ich knöcheltief auf Laubblättern lief. Ich weiß noch, wie ich nach achteinhalb Stunden auf einen sehr steilen Abstieg verzichtete und die Alternative, einen Umweg, in Kauf nahm, der flacher verlief und daran wie froh ich war, da ich, am Ziel angekommen, von ein paar Leuten hörte, die auf dem steilen Stück gestürzt waren und für die der Camino an Tag 1 bereits vorbei war. Vor allem erinnere ich mich aber an den unglaublichen Stolz, am Etappenziel, dem Kloster Roncesvalles, anzukommen und an meine Freude, dort alle Teilnehmer aus der morgendlichen Gruppe gesund anzutreffen. Manche von ihnen mussten später aufhören, mit anderen habe ich bei meiner Ankunft in Santiago abends Wein getrunken, aber alle sind mir bis heute in Erinnerung.

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Eine Freundin, die ich später kennenlernen sollte, musste den Pass übrigens bei Schnee und Wind besteigen und dabei war sie gerade mal zwei Tage nach mir unterwegs. Was für ein Glück wir doch hatten!

Bis zur Ankunft in Santiago sollten wir alle, die wir diesen Pass geschafft hatten, andere Pilger in zwei Gruppen teilen: die, die einen Stempel aus Saint Jean und Roncesvalles hatten und die, die erst in Pamplona begannen. Dass letztere bei uns als Weicheier galten, muss ich nicht extra sagen?

Die Überwindung des Ibañeta-Passes war Auftakt zum schönsten Erlebnis meines Lebens und sollte auch metaphorisch sein: ich würde noch häufig an meine Grenzen stoßen, mich von anderen Menschen motivieren lassen, immer am besten fahren, wenn ich auf meinen Körper und mein Tempo hören und Leute, die längst vor oder hinter mir waren, doch immer wieder finden.

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Wie kommt man am besten zum Ibañeta-Pass?

Man startet im französischen Örtchen Saint-Jean-Pied-de-Port und folgt einfach immer den Jakobsmuscheln. Es geht für knapp 22 Kilometer hoch. Nach einem Abstieg von ca. 7 Kilometer erreicht man dann Roncesvalles. Ich habe damals 10 Stunden benötigt, habe mir aber auch Zeit gelassen. Mag sein, dass es auch in 8 Stunden machbar ist. Am nächsten Tag erwarten einen dann noch mal 23 Kilometer bis in den nächsten größeren Ort, Zubiri, aber schon vorher gibt es Orte, in denen Busse fahren.

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Über Dich

Ich bin Audrey, Wahlhamburgerin mit rheinischem Migrationshintergrund und seit 2016 vom Fernwanderfieber infiziert. Während ich mich unterjährig durch eine gewisse Faulheit auszeichne, packt es mich mindestens zweimal im Jahr und ich gehe auf Fernwanderschaft. Neben der Lauferei begeistert mich alles, was mit Musik zu tun hat (Singen, Klavier, Konzerte, Tanzen – egal). Seit einigen Monaten habe ich nun ein neues Hobby, meinen Blog Audrey im Wanderland. Ich habe immer schon gern geschrieben, hätte aber niemals erwartet, dass sich Menschen für die doch sehr subjektiv eingefärbten Berichte über die Einzeletappen meiner Wanderungen interessieren könnten. Nun – ich scheine mich getäuscht zu haben.

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